PETG wird spröde im Sommer? So stoppen Sie Abrisse beim Druck

· von Sofia Rossi · 4 Min. Lesezeit

PETG wird spröde im Sommer? So stoppen Sie Abrisse beim Druck

Warum PETG im Sommer plötzlich reißt und spröde wird

Kennen Sie das? Der Druck läuft seit zwei Stunden tadellos, und dann, kurz vor dem letzten Layer, bricht das Teil einfach durch. Kein Softwarefehler, kein Düsenverstopfer. Die Ursache sitzt fast immer im Filament selbst: PETG hat Wasser gezogen. Gerade im feuchtwarmen Sommer, wenn die Luftfeuchtigkeit in Werkstatt oder Wohnung Richtung 60, 70 Prozent klettert, saugt sich das Material regelrecht voll. Die Polymerketten werden dabei durch Hydrolyse angegriffen, und genau das macht aus einem zähen, biegsamen Werkstoff ein sprödes, das beim kleinsten Knick bricht. Die gute Nachricht vorweg: Mit der richtigen Trocknung, sauberer Lagerung und ein paar angepassten Druckparametern lässt sich das fast komplett in den Griff bekommen.

Warum wird PETG im Sommer spröde?

PETG gehört zu den stark hygroskopischen Materialien, es zieht Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft wie ein Schwamm, nur eben langsamer. Besonders im Sommer, wenn in vielen Wohnungen und Garagen die Luftfeuchtigkeit tagelang über 50 Prozent liegt, nimmt eine offen gelagerte Spule binnen weniger Tage spürbar Wasser auf. Das Tückische: Dieses Wasser verdampft erst im Hotend, bei 230 bis 250 °C, und zwar schlagartig. Die Folgen davon:

Anzeichen für feuchtes PETG erkennen

Bevor Sie eine ganze Rolle verdrucken und sich am Ende über die Bruchstelle wundern, lohnt sich ein kurzer Check. Diese Warnsignale sprechen für feuchtes Material:

So trocknen Sie PETG richtig

Mit einem Filamenttrockner:

Im Backofen (Haushaltsofen):

Faustregel: Lag PETG länger als zwei bis drei Tage offen bei über 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, sollte es vor dem nächsten Druck grundsätzlich getrocknet werden. Im Zweifel lieber einmal zu oft trocknen als einen Druck nach acht Stunden Laufzeit zu verlieren.

Richtige Lagerung gegen erneute Feuchtigkeitsaufnahme

Trocknen allein bringt wenig, wenn die Spule danach wieder offen in der Werkstatt herumliegt. Die Lagerung entscheidet am Ende, ob das Problem dauerhaft gelöst ist oder nach einer Woche zurückkommt:

Druckeinstellungen anpassen, wenn es schon zu spät ist

Manchmal fällt der Kuckuck eben nach dem Druck auf, und Zeit zum Trocknen bleibt keine mehr. Ist das Filament nur leicht feucht, helfen diese Anpassungen als kurzfristige Notlösung:

Wichtig dabei: Das ist wirklich nur ein Pflaster, keine Lösung. Wer dauerhaft gute Ergebnisse will, kommt um konsequentes Trocknen und trockene Lagerung nicht herum.

Kurz zusammengefasst

PETG wird im Sommer spröde, weil es Feuchtigkeit aus der Luft zieht, die beim Drucken Hydrolyse auslöst und die Schichthaftung schwächt. Wer sein Filament nach jedem Gebrauch trocken lagert, etwa im Vakuumbeutel mit Silikagel oder in einer Dry Box, und es bei Bedarf für mehrere Stunden bei 55 bis 65 °C trocknet, verhindert zuverlässig brüchige Drucke. Die vielleicht sinnvollste Anschaffung in diesem Zusammenhang: ein einfaches Hygrometer für die Lagerbox. Es zeigt Feuchtigkeitsprobleme an, bevor ein teurer Druck nach Stunden plötzlich mittendrin abreißt.

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