PLA vs. PETG für Duschcaddy-Haken im feuchten Badezimmer
Wer sich einen Duschcaddy-Haken selbst im 3D-Drucker herstellt, steht schnell vor der Materialfrage: PLA oder PETG? Kurz gesagt: Für ein dauerhaft heißes, feuchtes Badezimmer ist PETG die klar bessere Wahl. PLA ist zwar günstiger und einfacher zu drucken, stößt in der Dusche aber ziemlich schnell an seine Grenzen. Warum das so ist und worauf du bei der Materialwahl wirklich achten solltest, schauen wir uns im Detail an.
Warum die Dusche ein Sonderfall ist
Ein Duschcaddy-Haken hängt nicht einfach nur gemütlich an der Wand herum wie ein Bilderrahmen im Flur. Er steckt täglich in einem kleinen Extremklima. Typische Bedingungen sehen so aus:
- Wasserdampf mit Temperaturen von 40–50 °C, bei besonders heißen Duschen auch mal über 60 °C
- Ständige Nässe und Kondenswasserbildung an der Wand
- Gewichtsbelastung durch Duschgel-, Shampoo- oder Handtuchhalterungen, oft mehrere hundert Gramm am Stück
- Wiederholte Temperaturzyklen: heiß beim Duschen, kühl kurz danach, und das Tag für Tag, Jahr für Jahr
Diese Mischung aus Hitze, Feuchtigkeit und mechanischer Dauerlast überfordert viele Standardfilamente ziemlich schnell. Was im Wohnzimmerregal jahrelang hält, kann im Bad schon nach wenigen Wochen den Dienst quittieren.
PLA: Günstig und einfach, aber hitzeempfindlich
PLA (Polylactic Acid) ist das beliebteste Einsteigerfilament, leicht zu drucken, kaum Warping, feine Detailtreue. Wer schon mal ein Miniaturmodell gedruckt hat, kennt die unkomplizierte Seite von PLA. Für den Badezimmereinsatz hat es aber ein paar entscheidende Schwächen:
- Niedrige Glasübergangstemperatur: PLA beginnt schon bei etwa 55–60 °C weich zu werden. Und genau in diesem Bereich bewegt sich heißer Duschdampf nur zu oft.
- Verformung unter Last: Ein Haken, der gleichzeitig Gewicht trägt und warm wird, verbiegt sich mit der Zeit langsam, aber sicher. Das Phänomen nennt sich “Creep” und ist bei PLA besonders ausgeprägt.
- Geringe Feuchtigkeitsresistenz: PLA ist hygroskopisch, saugt also über Monate Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm im Zeitraffer, und das schwächt die Festigkeit zusätzlich.
PLA eignet sich deshalb höchstens für trocken montierte Deko-Elemente, die außerhalb der direkten Dampfzone hängen. Für tragende Haken direkt in der Duschkabine ist es schlicht die falsche Wahl.
PETG: Der bessere Allrounder für Feuchträume
PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) verbindet die unkomplizierte Druckbarkeit von PLA mit deutlich robusteren mechanischen Eigenschaften:
- Höhere Wärmeformbeständigkeit: Erst bei rund 70–80 °C fängt PETG an zu erweichen, das ist ausreichend Puffer gegenüber Duschdampf.
- Hervorragende Feuchtigkeitsresistenz: PETG nimmt kaum Wasser auf, die strukturelle Festigkeit bleibt dadurch erhalten.
- Höhere Schlag- und Zugfestigkeit: Perfekt für Haken, die immer wieder belastet werden, etwa beim Einhängen einer vollen Duschgelflasche oder beim Aufhängen eines nassen, schweren Handtuchs.
- Chemische Beständigkeit: Reste von Duschgel, Shampoo oder Reinigungsmittel machen ihm nichts aus.
Der einzige Haken (im wahrsten Sinne): PETG ist beim Drucken etwas klebriger, neigt zu feinen Fäden (“Stringing”) und braucht eine etwas höhere Düsentemperatur, meist zwischen 230 und 250 °C, sowie ein sauber kalibriertes Retraktionsprofil. Wer schon einmal mit PETG gedruckt hat, kennt dieses kleine Geduldsspiel beim Einstellen der Parameter.
Praktischer Vergleich auf einen Blick
| Eigenschaft | PLA | PETG |
|---|---|---|
| Wärmeformbeständigkeit | ~55–60 °C | ~70–80 °C |
| Feuchtigkeitsaufnahme | Hoch | Sehr niedrig |
| Schlagfestigkeit | Niedrig | Hoch |
| Druckfreundlichkeit | Sehr einfach | Mittel |
| Langzeithaltbarkeit in der Dusche | Schlecht | Sehr gut |
Zusätzliche Tipps für langlebige Duschhaken
- Wandstärke erhöhen: Mindestens 3–4 Perimeter und 100 % Infill im Krafteinleitungsbereich des Hakens machen spürbar viel aus, hier zu sparen rächt sich meistens zuerst.
- Design optimieren: Abgerundete Übergänge statt scharfer 90°-Kanten nehmen den Spannungsspitzen die Schärfe, genau dort entstehen sonst die ersten Risse.
- Oberflächenversiegelung: Ein leichtes Polieren oder eine dünne Klarlack- bzw. Epoxidschicht kann die Wasseraufnahme nochmal reduzieren.
- ASA als Alternative: Wer zusätzlich noch UV- und Hitzebeständigkeit braucht, etwa bei einem Haken in Fensternähe mit direkter Sonneneinstrahlung, kann auch ASA in Betracht ziehen. Dafür steigen aber auch die Anforderungen an Drucker und Einstellungen merklich.
Wann reicht PLA trotzdem aus?
Wird der Haken nur gelegentlich genutzt, hängt er außerhalb des direkten Wasserstrahls, und trägt er keine schweren Gegenstände, kann PLA durchaus eine Zeit lang funktionieren. Für den Dauereinsatz in einer täglich genutzten, heißen Dusche ist es aber keine nachhaltige Lösung. Wer sich in einschlägigen Foren umschaut, findet reihenweise Berichte über sichtbares Durchbiegen oder regelrechtes Brechen nach nur wenigen Wochen Nutzung.
Fazit
Für Duschcaddy-Haken in einem feuchten, dampfigen Badezimmer ist PETG die deutlich zuverlässigere Wahl. Es verträgt Hitze, Feuchtigkeit und Dauerbelastung spürbar besser als PLA und sorgt dafür, dass dein gedruckter Badezimmerhelfer auch nach Monaten noch an Ort und Stelle hängt. PLA bleibt zwar die unkompliziertere Option beim Drucken, eignet sich aber bestenfalls für trockene, leicht belastete Anwendungen abseits der Dampfzone. Wer langfristig Freude an seinem selbstgedruckten Duschhaken haben will, sollte beim Filament nicht ausgerechnet an der falschen Stelle sparen.