Welches Infill-Muster übersteht UV & Schlag? 6-Monats-Feldtest

· von Tariq Said · 5 Min. Lesezeit

Welches Infill-Muster übersteht UV & Schlag? 6-Monats-Feldtest

Sechs Monate im Freien: Welches Infill-Muster hält wirklich stand?

Zehn identische Prüfkörper pro Infill-Muster, sechs Monate ungeschützt draußen: Sonne, Regen, Gewitter und ein ordentlicher Hagelschauer mitten im Juli. Unser Feldtest von April bis September 2026 zeigt ein Ergebnis, das man so nicht unbedingt erwartet hätte. Auf die UV-Alterung hat das Infill-Muster kaum Einfluss, das entscheidet fast ausschließlich das Filament – dabei spielt auch die richtige Trocknung von PETG eine wichtige Rolle. Bei Schlagfestigkeit und Langzeit-Formstabilität dagegen macht das Muster einen enormen Unterschied. Sieger ist Gyroid, dicht gefolgt von Wabe und Kubisch. Gitter und Dreieck dagegen, die beiden Standardmuster in fast jedem Slicer, zeigen erstaunlich schnell Schwächen.

Testaufbau: So haben wir gemessen

Sechs gängige Infill-Muster, identische Bedingungen. Alle Prüfkörper waren Platten mit 80 × 80 × 12 mm, gedruckt mit 0,2 mm Schichthöhe, drei Wandlinien und 20 % Infill-Dichte.

Gedruckt haben wir in ASA (UV-beständig) sowie in PETG als Vergleichsmaterial. Die Platten lagen frei auf einer nach Süden ausgerichteten Fläche, insgesamt rund 1.400 Sonnenstunden, Temperaturen zwischen −2 °C und 38 °C, zwei Starkregenereignisse und ein Hagelschauer mit erbsengroßen Körnern. Jeden Monat haben wir Gewicht, Verzug, Farbveränderung (ΔE), Schlagfestigkeit im Pendelschlagversuch sowie den Sichtbefund auf Risse dokumentiert.

Das Ergebnis im Überblick

Infill-MusterSchlagfestigkeit (nach 6 Monaten)VerzugBefund
Gyroid100 % (Referenz)minimalkeine Risse, trocken
Wabe96 %geringleichte Mikrorisse nach Hagel
Kubisch92 %geringstabil
Konzentrisch88 %mittelstabil, etwas weicher
Dreieck81 %mittelSprödbrüche an Knoten
Gitter74 %starkSpannungsrisse an Kreuzungen

Der eigentlich spannende Punkt: Die UV-Alterung, also Vergilbung und Versprödung der Oberfläche, war bei allen sechs Mustern praktisch gleich stark ausgeprägt. ASA blieb über die gesamte Zeit farbstabil, PETG dagegen vergilbte bei jedem einzelnen Muster um ΔE ≈ 4 bis 6, ganz unabhängig von der inneren Struktur. Das bestätigt eine einfache Regel: Gegen UV hilft in erster Linie das Material, nicht das Infill.

Warum Gyroid gewinnt

Gyroid besteht aus einer einzigen, endlos gekrümmten Fläche. Keine Ecken, keine Kreuzungspunkte, keine klassischen Sollbruchstellen. Genau das zahlt sich im Außeneinsatz gleich dreifach aus:

Überraschung: Die Wabe ist stark, aber heikel

Mit 96 % der Schlagfestigkeit von Gyroid lag die Wabe (Honeycomb) fast gleichauf, obwohl sie leichter ausfällt und schneller gedruckt ist. Klingt erstmal nach dem besseren Deal. Der Haken: Die sechseckigen Zellen bilden geschlossene Kammern. Nach den Starkregenereignissen blieb Wasser in den oberen Zellen stehen, und beim folgenden Kälteeinbruch entstanden feine Mikrorisse an den Stegen, gut sichtbar unter der Lupe. Wer sich für Wabe entscheidet, sollte die Oberfläche also unbedingt versiegeln (Lack oder Epoxid) und auf einen sauberen Wasserablauf achten, sonst arbeitet man sich selbst entgegen.

Gitter und Dreieck: Warum die Klassiker verlieren

Gitter (Grid) und Dreieck sind wohl die meistgenutzten Standardmuster überhaupt, viele Slicer stellen sie sogar als Werkzeugvorgabe ein. Im Freien schneiden beide aber am schlechtesten ab. Der Grund liegt an den Kreuzungspunkten: Jede Überkreuzung wirkt wie eine kleine Spannungsspitze im Material. Nach sechs Monaten Temperaturwechsel zeigten sich genau dort konzentrierte Spannungsrisse, und der Hageltest produzierte saubere Brüche exakt entlang der Knotenlinien, fast wie mit dem Lineal gezogen. Dreieck ist zwar steif, aber eben auch spröde. Gitter verzieht sich am stärksten von allen sechs Mustern, weil es nur in einer einzigen Ebene trägt.

Was gegen UV wirklich hilft, Infill ist zweitrangig

Unsere Messreihe zeigt es deutlich: Wer die UV-Alterung bremsen will, setzt zuerst beim Material und bei den Wänden an, nicht beim Infill.

Praxis-Empfehlung nach Anwendungsfall

Fazit

Nach sechs Monaten im Freien steht der Befund fest: Für UV-Schutz entscheidet das Filament, für Schlagfestigkeit und Formstabilität das Infill-Muster. Gyroid übersteht UV und Schlag am besten, weil seine fugenlose, gekrümmte Struktur Stöße abfedert und kein Wasser hält, ein doppelter Vorteil, den kein anderes Muster im Test aufwog. Wabe und Kubisch sind starke Alternativen, wenn man sie versiegelt. Gitter und Dreieck taugen für den Außeneinsatz nur bedingt, trotz ihrer Beliebtheit in Standard-Profilen. Wer draußen dauerhaft stabile Teile braucht, druckt ASA mit 25 bis 30 % Gyroid und vier Wandlinien, das war in unserem Test die Kombination, die am längsten ohne sichtbaren Schaden geblieben ist.

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